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2001 unterzeichneten 17 renommierte Softwareentwickler das agile Manifest. Es beschreibt Verhaltensregeln und Werte agiler Teams. Neben den 4 Grundwerten besteht das Manifest aus 12 Prinzipien. Was lernen wir auch außerhalb der Softwareentwicklung aus diesen 12 Prinzipien?

Die 12 Prinzipien des agilen Manifests (Orginal)

1. Der Fokus liegt auf den Anforderungen der Kunden

Designen Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen an den Bedürfnissen Ihrer Kunden? Kennen Sie Ihre Zielgruppe und beziehen Sie Ihre Kunden in die Entwicklung mit ein? Viele Unternehmen treiben die Produktentwicklung aus ihrer persönlichen Sichtweise und den bereits vorhandenen Kompetenzen voran. Dabei besteht die Gefahr, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die den Kundenanforderungen nicht vollkommen entsprechen. In der Vergangenheit war dies weniger ein Problem, da sich der Kunde mit den vorhandenen Produkten zufriedengeben musste. Durch die Globalisierung und Digitalisierung haben Kunden Zugang zu Märkten, die ihnen ihr Wunschprodukt liefern. Wer also langfristig wettbewerbsfähig bleiben will, muss seine Kunden verstehen und in die Produktentwicklung mit einbeziehen und das nicht nur bei der Softwareentwicklung.

 

2. Veränderungen annehmen und als Wettbewerbsvorteil nutzen

Veränderungen in der Produktentwicklung durch angepasste Kundenbedürfnisse sind in vielen Unternehmen bereits in frühen Entwicklungs- und Planungsphasen unerwünscht bzw. nicht mehr möglich. Dadurch entstehen Produkte, die den Kundenbedürfnissen nicht mehr vollständig entsprechen. Unternehmen, die in der Produktentwicklung flexibel agieren und ihre Planung und Prozesse auch in späteren Entwicklungsphasen noch an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten können, haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil am Markt.

 

3. Funktionierende Produkte schnell auf den Markt bringen

Ein wichtiges Prinzip agiler Softwareentwicklung ist es, möglichst schnell eine funktionierende Software auf den Markt zu bringen, deren Funktionalitäten schrittweise erweitert werden. Diese Vorgehensweise lässt sich auch für andere Produkte und Dienstleistungen adaptieren. Anstatt Monate lang, an der perfekten Dienstleistung, Schulung etc. mit komplexen Elementen zu feilen, lohnt es sich, zügig ein weniger umfangreiches Produkt auf den Markt zu bringen. An Hand der Kundenrückmeldungen können dann sukzessive Anpassungen vorgenommen werden.

 

4. Teamwork statt Individualismus

Die Zusammenarbeit verschiedener Experten gestaltet sich teilweise als herausfordernd, wenn das Teamverständnis fehlt. Jeder Einzelne möchte ich seiner Leistung wahrgenommen und anerkannt werden. In Expertenteams sollte zu Beginn das Teamverständnis gestärkt werden. Alle Teammitglieder sollten verstehen, dass nur eine gemeinsame Leistung zu einem guten Endergebnis führt. Dazu ist offene Kommunikation und Transparenz notwendig, sowie der gleichberechtigte Respekt jedes einzelnen als Teil des Teams.

 

5. Motivierten Mitarbeitern ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld geben

Motivierte Mitarbeiter, die Spaß an der Arbeit haben, sind ein unschlagbarer Wettbewerbsvorteil. Leider sehen noch immer zu wenige Unternehmen das Potenzial in ihrem Erfolgsfaktor «Mensch». Viele Führungskräfte sind weiterhin der Meinung, dass Mitarbeiter ständig kontrolliert werden müssen, damit sie die gewünschte Arbeitsleitung erbringen. In einer Unternehmenskultur, die durch Kontrolle und Misstrauen geprägt ist, können auch hoch motivierte Mitarbeiter nur selten ihr kreatives Potenzial entwickeln. Im schlimmsten Fall verlieren Unternehmen mit einer solchen Kultur ihre fähigsten Mitarbeiter an Unternehmen mit einer vertrauensvollen Führungskultur.

 

6. Gespräche von Angesicht zu Angesicht führen

Kommunikation ist, überall wo Menschen effektiv miteinander arbeiten wollen, das A und O. Idealerweise werden Gespräche von Angesicht zu Angesicht geführt, da hier alle Kommunikationsebenen wahrgenommen werden. Unterschätzen Sie nicht die Macht der nonverbalen Kommunikation. Die nonverbale Kommunikation macht ca. 55 % der Kommunikationswahrnehmung aus. Ist es Ihnen nicht möglich, von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren, greifen Sie bei komplexeren Sachverhalten lieber zum Telefonhörer, als eine E-Mail zu versenden. Stimme und Tonfall machen immerhin 38 % der Kommunikationswahrnehmung aus, während Worte und Inhalt bei gerade mal 7 % liegen. Dementsprechend können per E-Mail viele unnötigen Missverständnisse entstehen, die in der direkten Kommunikation vermieden werden.

 

7. Fortschritte werden am funktionierenden Produkt gemessen

Nicht nur in der Softwareentwicklung zählt am Ende das fertige Produkt. Messen Sie Ihren Projektfortschritt an Ihrem funktionierenden Produkt oder Ihrer Dienstleistung und nicht nur an Parametern wie zum Beispiel: wie viel Budget wurde bereits verbraucht, wie viel Projektlaufzeit ist bereits verstrichen.

 

8. Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung

Agile Methoden und Prozesse fördern einen kontinuierlichen Arbeitsrhythmus. Dieser ist nicht nur gesünder und produktiver, sondern schafft Verlässlichkeit und damit bessere Arbeitsergebnisse. Mitarbeiter von agilen Teams sind weniger Burn-out gefährdet. Überstunden und nachts durcharbeiten sind tabu. Extreme Arbeitslast wird als Warnsignal verstanden, dass etwas nicht stimmt.

 

9. Lebenslanges Lernen

Für erfolgreiche, agile Projekte werden Personen benötigt, die neben einer hohen Teamfähigkeit bereit sind, ihren fachlichen, technischen und sozialen Horizont stetig zu erweitern. Welche Fragen ergeben sich daraus für die Rekrutierung? Sind die besten Mitarbeiter, unbedingt diejenigen mit dem gradlinigsten Lebenslauf? Zeichnen sich Mitarbeiter, die Erfahrungen auf unterschiedlichsten Ebenen gesammelt haben, durch die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen aus?

 

10. Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren

Bleiben Sie so einfach wie möglich. Verstricken Sie sich nicht in unnötige Aufgaben, die für die erfolgreiche Entwicklung unnötig sind. In der Softwareentwicklung geht es hier vor allem um Anforderungen, die der Kunde später gar nicht benötigt und die nur unnütze Entwicklungskapazitäten verbrauchen. Denken Sie beim Thema Einfachheit aber auch an Ihre Administration. Für die Nachvollziehbarkeit, das Risikomanagement und Verbesserungen ist eine saubere Dokumentation sicherlich sinnvoll, allerdings übertreiben Sie es nicht. Der administrative Aufwand darf einer schnellen und innovativen Entwicklung nicht im Wege stehen.

 

11. Teams organisieren sich selbstständig

Teams, die es gelernt haben, sich selbst zu organisieren, arbeiten viel freier, als Teams die eine vorgegebene Arbeitsweise ausführen. Selbstorganisation lässt Freiraum, Lösungen kreativ und innovativ zu erarbeiten und alle Teammitglieder können ihre Potenziale voll entfalten. Teams, die selbstorganisiert arbeiten sind Veränderungen und Weiterentwicklungen gegenüber aufgeschlossener.

 

12. Die Effektivität wird regelmäßig reflektiert

Eine regelmäßige, teaminterne Reflexion ist für eine effektive Zusammenarbeit notwendig. Es werden Verbesserungspotenziale identifiziert und Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet.